| William H. Tunner |
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PortraitEr gehört zu den wenigen Logistikern, nach dem sogar Straßen benannt sind. Er ist ein Held des 20. Jahrhunderts. Ein Soldat und Logistiker, der durch seine Leistungen die Geschichte beeinflusst und Grundlagen für noch heute geltende Methoden in der modernen Luftfahrt gelegt hat. Der US-amerikanische Major General William H. Tunner ist der Organisator der Berliner Luftbrücke, die 1948/49 über zwei Millionen Berliner mit Lebensmitteln versorgt hat.
Auslöser ist die Währungsreform in Westdeutschland: in der Nacht vom 23. Auf den 24. Juni 1948 unterbrechen die sowjetischen Besatzungstruppen die Versorgung West-Berlins mit Fernstrom durch das ostdeutsche Großkraftwerk Golpa-Zschornewitz. Am frühen Morgen des 24. Juni folgt die Blockade des gesamten Straßen- und Schienenverkehrs sowie der Binnenschifffahrt zwischen Berlin und den Westzonen. Da die deutsche Hauptstadt immer noch in Trümmern liegt, sind die rund zwei Millionen Berliner auf einmal vollständig von der Belieferung von außen abhängig. Die Westmächte haben zwar mit einer Reaktion auf die Währungsreform gerechnet, auf die vollständige Blockade Berlins durch die Sowjetunion sind die Westmächte aber nicht vorbereitet. Den Westteil der deutschen Hauptstadt den Russen zu überlassen, kommt für die Amerikaner nicht in Frage. Der Militärgouverneur der amerikanischen Zone, US-General Lucius D. Clay schlägt vor, mit einem bewaffneten Konvoi die Blockade zu durchbrechen. US-Präsident Harry S. Truman will der Sowjetunion aber keinen Kriegsgrund liefern. Deshalb wird am 25. Juni die Errichtung der Berliner Luftbrücke befohlen. Schon einen Tag später fliegt die erste Maschine der US-amerikanischen Luftwaffe zum Flughafen Tempelhof in Berlin und startet damit die Operation „Vittles“. Die Operation „Plain Fare“ der britischen Luftwaffe folgt zwei Tage später. Am Anfang schaffen es die Westmächte 750 Tonnen Fracht pro Tag nach Berlin zu schicken.
Dank der Neuorganisation durch William H. Tunner ist man Ende Juli 1948 schon bei über 2000 Tonnen pro Tag. Am 16. April 1949 wird mit 1398 Flügen die damalige Rekordmenge von 11.740 Tonnen Fracht erreicht. Neben Baustoffen für die Flughäfen transportieren die Piloten hauptsächlich Weizen, Kohle als Brennstoff, Benzin und Medikamente. Die Sowjetunion erkennt, dass die Amerikaner und Briten mit der Luftbrücke die Versorgung West-Berlins aufrechterhalten. Am 12. Mai 1949 heben die Russen schließlich alle Sperren wieder auf. Die Blockade ist nach fast einjähriger Dauer beendet. Die Bilanz: 2,11 Millionen Tonnen Fracht, 278.228 Flügen und bedauerlicherweise mehrere tödliche Unfälle.
Die Versorgung von Menschen per Flugzeug unter widrigen Umständen ist für den 1906 im US-Bundesstaat New Jersey geborenen Tunner eigentlich nichts Neues, er ist sozusagen der Luftbrücken-Profi der Amerikaner. Schon im Zweiten Weltkrieg organisiert der Luftwaffenoffizier erfolgreich die so genannte Hump-Luftbrücke, die Truppen des chinesischen Freiheitskämpfers Chiang Kai-sheks versorgte. The Hump beginnt im April 1942, als die Japaner den Nachschub der chinesischen Truppen unterbrechen. The Hump (englisch für der Buckel) ist eine risikoreiche Flugroute. Die Piloten fliegen zuerst über einige kleine Ausläufer des Himalaya, um dann direkt über die Höhenzüge zu setzen, wo sie oftmals auf schwere Turbulenzen und schlechtes Wetter treffen. Die Transportflugzeuge fliegen rund um die Uhr von einer der dreizehn Basen im nordöstlichen Indien über 800 Kilometer zu einem der sechs chinesischen Landeplätze. Einige Besatzungen liegen bis zu drei Einsätze pro Tag. Aufgrund der isolierten Lage der Region ist die Versorgung mit Ersatzteilen und Nachschub wie Treibstoff für die Flugzeuge dauerhaft erschwert, so dass regelmäßig Besatzungen zu den Ausläufern des Himalaya geschickt werden, um aus den Wracks dort zerschellter Flieger Ersatzteile zu bergen, die zur Instandhaltung der restlichen Geschwader gebraucht werden.
Wenige Tage nach Beginn der Berliner Luftbrücke werden Tunner und ein Teil seiner Hump-Männer nach Wiesbaden befohlen. Von dort reorganisiert er die gerade angelaufene Berliner Luftbrücke und macht sie in kurzer Zeit leistungsfähig. Ziel Tunners ist es, den Verkehr in den drei Luftkorridoren nach Berlin, den die Russen den Westmächten vertraglich zugesichert hatten, so zu planen und durchzuführen, dass eine möglichst große Zahl von Flugzeugen bei einem möglichst hohen Grad an Sicherheit passieren können. Dazu wird eine Startzeit mit einer Toleranz von maximal einer Minute festgelegt. Außerdem lässt Tunner präzise Geschwindigkeiten, Höhen, Steigungsraten und Flugrichtungen vorgeben. Erstmals im Luftverkehr stellt er genaue Berechnungen der Flugzeiten für jeden Flug an. Die Piloten erhalten Anweisung, nach einem missglückten Landeanflug mit der kompletten Ladung sofort zur Ausgangsbasis zurückzukehren. Kein Flugzeug soll eine Warteschleifen drehen. So wird jeglicher Stau in der Luft vermieden. Aufgrund dieser Vorgaben startet in Berlin alle drei Minuten eine Maschine. Auch heute ist es nur deshalb möglich, den dichten Luftverkehr mit kurzen Zeitabständen aufrechtzuerhalten, weil in allen Phasen des Fluges die Geschwindigkeit einer Maschine präzise vorgegeben und damit auch längere Flüge bis auf die Minute genau berechnet werden können. Ebenso wegweisend ist die von Tunner eingeführte Organisation der Flugzeugwartung, die später von zivilen Fluggesellschaften übernommen wird. Früher überprüfte und reparierte ein festes Team jede Maschine, wobei jeder Mechaniker praktisch fast alles können musste. Nun durchläuft das Flugzeug – wie an einem Fließband – mehrere Stationen von Technikern, die auf Elektrik, Triebwerke oder anderes spezialisiert sind. Dadurch dauert die Wartung wesentlich kürzer und wird sogar qualitativ besser, weil Spezialisten die entsprechenden Einzelarbeiten durchführen. Voraussetzung für dieses Verfahren ist, dass nicht nur der Zustand des Flugzeugs insgesamt statistisch erfasst wird, sondern auch die Einzelteile wie etwa Betriebsstunden des Triebwerkes. Auf Basis der Statistik kann der Zeitpunkt der nächsten Wartungen Wochen im Voraus geplant werden. Somit ist sichergestellt, dass die voraussichtlich notwendigen Einzelteile vorhanden sind, und das Flugzeug nicht wegen fehlender Ersatzteile am Boden bleiben muss.
Von Andre Kranke Fotos: U.S.Army, 360-berlin.de
Verdienste
Fotos: U.S. Army, 360-berlin.de
Lebenslauf1906 geboren am 14. Juli in Elisabeth, New Jersey (USA) 1928 Abschluss der Militärakademie und ein Jahr später Abschluss bei der Advanced Flying School in Kelly Field, Texas 1942 bis 1945 Während des Zweiten Weltkrieges befehligt Tunner die Division Indien-China des Lufttransportkommandos, die Soldaten und Nachschub von Indien über den Himalaya nach China organisierte. Bei diesem Unternehmen werden erstmals große Mengen und Lasten durch die Luft transportiert 1948 Übernahme der Organisation der Berliner Luftbrücke zur Versorgung der Berliner Bevölkerung. Von Juni 1948 bis Oktober 1949 werden etwa 2,1 Millionen Berliner mit rund zwei Millionen Tonnen Lebensmitteln, Industriegütern und Kohle in rund 280.000 Flügen über den Luftweg versorgt 1950 Befehl über die Luftbrücke zur Unterstützung der US-Streitkräfte im Korea-Krieg 1953 Chef der amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa. Außerdem verantwortetTunner den Aufbau der Luftwaffe der Nato in Europa 1958 Übernahme des Kommandos des Joint Military Air Transport Service in den USA 1960 Ausscheiden aus dem Militärdienst im Range eines Generalleutnants 1983 stirbt Tunner am 6. April in Gloucester, Virginia (USA) 2006 Aufnahme in die Logistik Hall of Fame
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