| Malcom McLean |
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PortraitAls am 15. Mai 1966 die MS „Fairland“ die ersten Container aus den USA im Bremer Überseehafen entlädt, bricht für Deutschland eine neue Zeit an. Die unscheinbare Stahlbox gilt heutzutage als wichtigster Transportbehälter weltweit. Schätzungsweise 95 Prozent des Welthandels erfolgt via Seecontainer. Hinter dieser einzigartigen Entwicklung steht ein Mann: Malcom McLean und Besitzer der MS Fairland. Der Gründer der Reederei Sea-Land gilt weltweit als der Vater der Containerisierung.
Eigentlich will der junge Malcom zur U.S. Army. Er hat das Schweinefüttern auf dem Hof seines Vaters in North Carolina satt. Aber seine Mutter überzeugt ihn, lieber eine Tankstelle zu pachten. Es ist Anfang der 30er Jahre, als der gerade Volljährige in die Logistikbranche einsteigt. Ein Kunde seiner Tankstelle fragt, ob er einen Lastwagen samt Fahrer mieten könne. Der als Spielernatur bekannte Malcom denkt nicht lange nach, riskiert sein Geld und besorgt einen LKW. Danach geht es ganz schnell. McLean Trucking stieg zur zweitgrößten Spedition in den USA auf. 1955 verkauft McLean sein erfolgreiches Unternehmen. Er will eine Idee in die Tat umsetzen. Schon in seiner Zeit als Trucker Mitte der 30er Jahre erkennt er, dass es eigentlich viel zu aufwändig ist, die Ladung aus seinem Lastwagen mit vielen Männern Stück für Stück auszuladen, im Hafenschuppen einzulagern, neu zu verpacken und dann einzeln wieder aufs Schiff zu hieven, um im Zielhafen die ganze Prozedur wieder neu zu beginnen. Schon damals war ihm die Idee gekommen, einfach den Lastwagen samt Ladung aufs Schiff zu stellen. Zwanzig Jahre später sieht er die Zeit dafür gekommen. Er kauft für 40 Millionen Dollar die Pan Atlantic Tanker Company mit einer Flotte von alten Öltankern und beginnt Lastwagen samt Ladung auf Schiffe zu verladen. Am 25. April 1956 lässt McLean in Port Newark auf dem umgebauten Öltanker Ideal X erstmals 58 Container verladen, die entlang der amerikanischen Ostküste nach Houston transportiert werden. 1957 startet McLean mit reinen Containerschiffen einen regulären Dienst zwischen New York, Florida und Texas. 1960 wird seine Reederei Pan Atlantic in Sea-Land umbenannt.
Zehn Jahre nach der erste Containerverladung in Amerika bringt 1966 die MS Fairland die ersten Container nach Europa. Der Container ist nicht mehr aufzuhalten, obwohl Gewerkschaften, Reedereien und die Eisenbahngesellschaften nichts unversucht lassen, das Vorhaben noch zu stoppen. Schließlich zerstört McLean mit seinem Container das traditionsreiche und für alle Beteiligten lukrative Stückgutgeschäft. McLean ist das egal, er hält nichts von maritimen Traditionen. Gerne gibt der Spediteur zu, dass er von Schifffahrt eigentlich keine Ahnung hat. „Für mich ist das Schiff nichts weiter als eine Zugmaschine“, soll der einstige Trucker aus North Carolina gesagt haben.
McLean revolutioniert er mit seiner Erfindung die Schifffahrt und Logistik wie kein anderer. Die Produktivität in der Transportkette erhöht sich enorm. Zum Be- oder Entladen von 10.000 Tonnen Stückgut benötigt ein konventionelles Frachtschiff acht bis zehn Tage. Mit einem Containerschiff und einfachen Umschlaganlagen schafft man diese Menge in zwei Tagen. Dadurch reduziert sich der Personalbedarf für die Umladungen immens, und die Transportzeiten und Kosten verringern sich durch die kürzeren Schiffsliegezeiten.„Er war jemand, der davon überzeugt war, dass für jedes noch so komplizierte Problem eine einfache Lösung existiert“, berichtet Thomas Greh, der als Autor, Produzent und Regisseur gerade eine dreiteilige Dokumentation zum Container für den Fernsehsender Arte produziert und mit McLeans Schwester, Tochter und engen Mitarbeitern gesprochen hat. „Make it simple“ und Menschen können nur außergewöhnliche Leistungen vollbringen, wenn ihnen die ganze Sache auch Spaß macht, beschreibt Greh McLeans Credo.
Der Vater des Containers, der Glück und Erfolg gepachtet zu haben schien, muss auch Niederlagen einstecken. Nachdem er 1969 Sea-Land verkauft hatte, steigt er in den 80er Jahren noch einmal bei der US-State-Lines ein. Doch er setzt für damalige Zeit auf zu große Containerschiffe und führt das Unternehmen recht schnell in eine 420-Millionen-Dollar-Pleite. Sich nun etwa endgültig zurückzulehnen und auszuruhen ist für den fast 80jährigen McLean aber nichts. Bis zu seinem Tod am 25. Mai 2001 leitet er mit 87 Jahren noch die Reederei Trailer Bridge, die noch heute die in seiner Amtszeit speziell entwickelten 53-Fuß-Container zwischen Puerto Rico und dem US-Festland transportiert.
Von Andre Kranke Fotos: Maersk Sealand
Verdienste
Fotos: Maersk Sealand
Lebenslauf1913 geboren als Sohn eines Farmers nahe der Stadt Maxton im US-amerikanischen North Carolina 1934 Mit dem Kauf eines gebrauchten Lastwagens gründet er die Firma McLean Trucking und transportiert als Fahrer Erde und andere Materialien für die örtlichen Landwirte 1937 McLean beobachtet die Verladung von Baumwolle und hat nach eigenen Angaben erstmals die Idee, Transportbehälter zu benutzen 1955 McLean verkauft McLean Trucking mit seinen 1776 Lastwagen für sechs Millionen Dollar und kauft die Pan Atlantic Tanker Company mit einer Flotte von alten Öl-Tankern. Er beginnt Lastwagen samt Ladung auf Schiffe zu verladen 1956 25. April, McLean lässt in Port Newark auf dem umgebauten Öltanker „Ideal X“ 58 Container verladen, die entlang der amerikanischen Ostküste nach Houston transportiert werden 1957 McLean startet mit reinen Containerschiffen einen regulären Dienst zwischen New York, Florida und Texas 1960 Umbenennung von Pan Atlantic in Sea-Land 1969 McLean verkauft Sea-Land für 160 Millionen Dollar an den Tabak-Konzern R. J. Reynolds 1991 McLean wird Chef der Trailer Bridge Inc., die sich auf Containertransporte zwischen den USA und Puerto Rico spezialisiert hat 2001 McLean verstirbt (immer noch Chef von Trailer Bridge) am 25. Mai im Alter von 87 Jahren 2004 Aufname in die Logistik Hall of Fame
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