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Eugene Bradley Clark

 Portrait

Das Jahr 1917: Amerika erklärt dem Deutschen Reich den Krieg. Lenin beendet mit der Oktoberrevolution die Zarenherrschaft in Russland. Die Tänzerin Mata Hari wird in Frankreich als deutsche Spionin verhaftet, verurteilt und erschossen. In Berlin wird der Normenausschuss der Deutschen Industrie (später: DIN) gegründet. Und Eugene Bradley Clark erfindet den Gabelstapler.

 

Bis dahin hatte Clark mit Logistik nicht viel am Hut. In seinen Fabriken fertigt der studierte Maschinenbauer Bohrer für die Eisenbahnindustrie sowie Stahlfelgen und Achsen für die noch junge Automobilindustrie. Dabei hält er Personenwagen für ein Luxusgut, das sich langfristig nicht durchsetzen wird. Am Standort seiner Electric Steel Company in Buchanan/USA fahren seinerzeit nur eine Handvoll Personenwagen, und das wetterbedingt auch nur im Sommer. An den Erfolg des Lastwagens dagegen glaubt Clark. Er sieht in ihm ein wichtiges Werkzeug für die Industrialisierung, dessen Absatz wächst, wenn die Wirtschaft wächst.

 

Der Vorläufer des Gabelstaplers entsteht 1917 in der Clark Equipment Company in Buchanan im US-Bundesstaat Michigan. Diese ist kurz zuvor aus der Fusion der Celfor Tool Company mit der Buchanan Electric Steel Company hervorgegangen. Beides Unternehmen, bei denen Clark Firmenchef und Anteilseigner ist.

Die Arbeiter brauchen in jenen Tagen etwas, mit dem sie Sand und schwere Gussrohlinge zwischen den Werkshallen hin und her transportieren können. So bauen Clark und seine Mitarbeiter ein krudes dreirädriges benzinbetriebenes Fahrzeug mit einem Ladebehälter für knapp zwei Tonnen Last an der Vorderseite zusammen: Wer nach links will, muss paradoxerweise nach rechts lenken und umgekehrt. Wer schnell stehen bleiben will, muss irgendwo gegen fahren – Bremsen erachtet man damals als überflüssigen Schnickschnack.

 

Der erste Vorfahre des Frontstaplers ist einfach, aber er erfüllt seinen Zweck. Kurz nach seiner Erfindung entdeckt die US-Army im ersten Weltkrieg das Gerät und nutzt es für Umschlagarbeiten in Munitionsdepots. Das Fahrzeug bekommt Bremsen, eine verbesserte Lenkung und den Namen „Tructractor“. 1919 verkauft Clark 75 Stück seines Gefährts. Eine Dekade später stehen der Tructractor und seine Nachfolger bereits für 16 Prozent des Umsatzes. Der Erfolg kommt für Clark damals unerwartet, und so gründet er noch 1919 für die Produktion der Fahrzeuge, aus denen sich der Gabelstapler entwickelte, eine eigene Tochterfirma. Die Trennung vom ursprünglichen Geschäft hat noch einen anderen Grund: Clark war Lieferant der Automobilindustrie und will nicht, dass seine Kunden ihn nun als Fahrzeugbauer und damit als Konkurrenten ansehen. Schließlich steckt das Geschäft mit den Flurförderzeugen noch in den Kinderschuhen und kann die Firma nicht ernähren. Aber es wächst und so erhält die Fertigung 1923 im einige Meilen entfernten Battle Creek einen neuen Standort.

 

Dem Tructractor folgt 1922 der „Truclift“, der erste Plattform-Hubwagen mit einer hydraulischen Hebevorrichtung und einer Tragfähigkeit zwischen 1820 und 4545 Kilogramm. 1923 stellt Clark mit dem benzinbetriebenen „Duat“ einen dreirädrigen Schlepper vor. Der Name ergibt sich aus dem Wortspiel „do this, do that“. Ein Jahr später ist für den Schlepper eine mechanisch angetriebene Hebevorrichtung für Lasten bis 455 Kilogramm als Anbaugerät erhältlich. Der erste benzinbetriebene Frotstapler ist geboren. Die Gegengewichte nennt Clark „Augmenters“. Abgeleitet vom Truclift feiert 1928 der „Tructier“ sein Debüt. Er ist der erste benzinbetriebene Frontstapler mit hydraulischer Hebevorrichtung und schafft Lasten von 1820 bis 2730 Kilogramm.

 

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte bereits  20 Jahre früher. Die Geschichte Clarks ist die typische amerikanische vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Karriere. 1904 steigt Clark durch einen cleveren Schachzug vom Angestellten zum Anteilseigner seines späteren Unternehmens auf. Die Firma heißt noch George R. Rich Manufacturing Company und ist eine Tochter der Illinois Steel Company, für die Clark als Maschinenbauingenieur arbeitet. George R. Rich in Buchanan fertigt Bohrer für den Bau von Eisenbahnstrecken, doch das Geschäft kommt zu Beginn nicht so recht in Schwung. Ein Retter muss her und das Management der Illinois Steel Company wählt Clark aus. Er gilt als unabhängiger und kreativer Geist. Clark erkennt, dass sowohl die Bohrer als auch das Management bei George R. Rich nicht viel taugen. Ein derartiges Urteil finden seine Bosse zwar anmaßend und überheblich, aber in ihrer Not bitten sie Clark, einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Der frisch verheiratete 33-jährige Ingenieur entgegnet: „Die Probleme las sen sich nicht mit einer oberflächlichen Analyse beheben. “ Sein Gegenvorschlag: "Ich gehe nach Buchanan, führe fortan das Unternehmen und sie machen mich zum gleichberechtigten Partner." Ein Jahr später zahlt George R. Rich seine Rechnungen wieder pünktlich und wird in Celfor Tool Company umbenannt. Das Unternehmen ist die erste Säule der späteren Clark Equipment Company. Die zweite Säule bildet die von Clark selbst gegründete Gießerei Buchanan Electric Steel Company. Dort setzt er seine Gabelstapler selbst ein, was ihm einen echten Wettbewerbsvorteil verschafft.

 

„Ich glaube, das Tructractor-Geschäft ist die vielversprechendste unserer verschiedenen Aktivitäten“, hatte Clark in den 20er-Jahren einmal gesagt.Heute knapp 90 Jahre nach der Geburt des Gabelstaplers umfasst der Weltmarkt für Flurförderzeuge jährlich 930.000 Einheiten.

 

Von Serge Voigt und Anita Würmser

Fotos: Clark

 

Verdienste

  • Eugene Bradley Clark (*1873 †1942) ist der Erfinder des Gabelstaplers. Den Urvater der heutigen Frontstapler stellte Clark 1917 in den Vereinigten Staaten von Amerika vor. Für diese aus der täglichen Logistikpraxis kaum wegzudenkende Innovation wurde er 2007 die Logistik Hall of Fame aufgenommen.
  • Clark stieg 1904 als Berater in die noch junge George R. Rich Manufacturing Compan y, eine Ausgründung von Managern der Illinois Steel Company, ein. Clark, Maschinenbauingenieur und Experte für Metallurgie bei der Illinois Steel Company machte das Unternehmen profitabel und wird gleichberechtigter Partner. Die Firma wurde in Celfor Tool Company umbenannt.
  • 1910 gründete Clark die Electric Steel Company, die Guss mittels elektrischer Öfen sowie Felgen und LKW-Achsen für die noch junge Automobilindustrie herstellte. 1916 fusionierte er die beiden Unternehmen Celfor Tool Company und Electric Steel Company zur Clark Equipment Company.
  • Wenig später, im Jahr 1917, bauten Clark und seine Mitarbeiter ein einfaches dreirädriges benzinbetriebenes Fahrzeug mit einem Ladebehälter für knapp zwei Tonnen Last an der Vorderseite zusammen. Der erste Vorfahre des Frontstaplers war einfach, aber er erfüllte seinen Zweck.
  • Kurz nach seiner Erfindung entdeckte die US-Army im ersten Weltkrieg das Gerät und nutzte es für Umschlagarbeiten in Munitionsdepots. Das Fahrzeug bekam Bremsen, eine verbesserte Lenkung und den Namen „Tructractor“. 1919 verkaufte Clark 75 Stück seines Gefährts.
  • Dem Tructractor folgte 1922 der „Truclift“, der erste Plattform-Hubwagen mit einer hydraulischen Hebevorrichtung und einer Tragfähigkeit zwischen 1820 und 4545 Kilogramm.
  • 1923 stellte Clark mit dem benzinbetriebenen „Duat“ einen dreirädrigen Schlepper vor. Der Name ergab sich aus dem Wortspiel „do this, do that“. Ein Jahr später war für den Schlepper eine mechanisch angetriebene Hebevorrichtung für Lasten bis 455 Kilogramm als Anbaugerät erhältlich. Der erste benzinbetriebene Frontstapler war geboren. Die Gegengewichte nannte Clark damals „Augmenters“.
  • Abgeleitet vom Truclift feierte 1928 der „Tructier“ sein Debüt. Er war der erste benzinbetriebene Frontstapler mit hydraulischer Hebevorrichtung und schaffte Lasten von 1820 bis 2730 Kilogramm.
  • Als 1930 die Anbieter von Materialflusslösungen einen ersten Boom erlebten, erfand Clark den TwinVeyor, ein tragbares, elektrisch angetriebenes Fördergerät aus zwei flexiblen sich drehenden Spiralen. Mit ihm ließen sich beispielsweise Säcke aus einer Lagerhalle zum LKW transportieren.
  • Während des Zweiten Weltkrieges stieg die Jahresproduktion von 500 auf 23.500 Einheiten. Nach überstandener Krise ist das Unternehmen heute der fünfzehntgrößte Staplerbauer der Welt.

 

Fotos: Clark

 

Lebenslauf

1873 wird Clark als Sohn von Ezra W. und Sylvia C. Clark in Columbia, USA, geboren und wächst auf einer Farm in der Nähe von Washington D.C. auf

1894 Abschluss als Maschinenbauer an der Cornell Universität in Ithaca, New York

1904 lebt er mit seiner ersten Ehefrau Laura als Angestellter bei Illinois Steel Works in Chicago, Illinois/USA

1904 Einstieg bei der Bohrerfabrik George R. Rich Manufacturing Company als Berater, danach als Manager und Teilhaber

1909 auf der Suche nach neuen Absatzmärkten reist Clark erstmals nach Europa

1916 fusioniert Clark die Celfor Tool Company mit der Buchanan Electric Steel Company zur Clark Equipment Company, deren Vorstand Clark wird

1917 Entwicklung des „Tructractor“, der Vorläufer des heutigen Gabelstaplers

1928 bringt Clark sein Unternehmen an die Börse und überlebt mit dem frischen Kapital die Weltwirtschaftskrise

1930 erfindet er ein neuartiges Förderband mit dem beispielsweise LKW entladen werden können

1942 stirbt Eugene Bradley Clark im Alter von 69 Jahren in Chicago an einer Lungenentzündung

2007 Aufnahme in die Logistik Hall of Fame